Der erste Wettkampf als No Meat Athlete

Gestern war es soweit: der erste Wettkampf als No Meat Athlete. Ich starte heute in die Woche 4 des Halbmarathon-Trainingsplans aus No Meat Athlete. Und wenn man es ganz genau nimmt, ist da natürlich von einem Wettkampf noch keine Rede. Hätte eigentlich einen gemütlichen, langen Lauf im Rahmen von rund neun Kilometern am Samstag im Plan. Das habe ich etwas flexibel handgehabt. Ich fuhr zum Reschenseelauf nach Südtirol. Ein wunderschöner Mittelstreckenlauf (15,3 Kilometer) rund um den Stausee auf dem Reschenpass in ca. 1500 Höhenmetern.

Die Kirche im Reschensee.

Die Kirche im Reschensee.

Mit im Gepäck natürlich das No Meat Athlete – Lauftrikot und selbstgebackenes Straßenbrot à la Matt Frazier. Bei knapp 30°C war das Shirt die perfekte Laufbekleidung, schön luftig! Wie üblich reihte ich mich kurz vor dem Start noch schnell in einer anderen Gruppe Menschen ein: den Toilettenaufsuchern. Wie üblich bei den Damen eine Schlange, die theoretisch einmal rund um den Reschensee gereicht hätte. Steh ich also so da, wartend auf das stille Örtchen, höre ich direkt hinter mir folgende Unterhaltung:

Sie: “Du, ich hab da vorhin einen mit einem Vegan Runners Laufshirt gesehen …”
Er: “Tja, den wirst du nach dem Lauf nicht mehr sehen. Das hält kein Veganer durch.”

Aha.

Wäre ich etwas diskussionsbereiter und hätte nicht so dringend mal für kleine, schwache No-Meat-Athletinnen gemusst, dann hätte ich mich vielleicht umgedreht. Aber he, die waren zu zweit. ;) So habe ich mich dafür entschieden einmal kurz mit meiner Karotte (die auf meinem Rücken groß und dick zu sehen war mit dem Untertitel “Runs on plants”) gewackelt und lief erhobenen Hauptes Richtung Toilette.

Leute, vielleicht lest ihr das hier irgendwann mal. Ich war die, die direkt vor euch stand, mit dem wunderschönen, grünen Lauftrikot. Darauf eine große, orange Karotte, die euch auf englisch den Hinweis gab, dass sich dieser Körper von Pflanzen ernährt. Schlanke Figur, aber definitiv nicht schmal. Gut in Form dank No Meat Athlete-Treibstoff, den ich dabei hatte in Form von Straßenbrot, Brownies, Früchteriegeln, Obst und Humus. Ich war die, die den Anstieg zwischen Kilometer 9 und 10 ohne zu pausieren in einem Durchgang hochgelaufen ist, während die anderen gegangen sind. Die, die auf dem letzten Kilometer schneller lief als erwartet. Die, die kompletten 15,3 Kilometer durchgelaufen ist. Die, die heute ohne Muskelkater, ohne Schmerzen, ohne Erschöpfung schon wieder Crosstraining gemacht hat. Die, die morgen einfach mal weiter in ihrem Halbmarathon-Training macht, als ob nichts gewesen wäre. Ich mag vielleicht nicht die Schnellste sein – aber durchhalten, das tu ich immer!

Geht doch nix über Pflanzentreibstoff.

Geht doch nix über Pflanzentreibstoff.

 

 

Getagged mit: , ,
Veröffentlicht unter Allgemein
8 Kommentar auf “Der erste Wettkampf als No Meat Athlete
  1. Lizzy-Belinde Jöckel sagt:

    genau so ging es mir vor fast zwei Wochen beim Citylauf in Lubu mit dem “Laufen gegen Leiden” Shirt…erst lästern, dann gehen an der Steigung… hihi ich bin zwar bekennende Laufschnecke aber komme IMMER an. Und das ohne Tier im Kochtopf bzw. Magen ;-)

    • Ich mag halt diese Verallgemeinerungen nicht. Und inzwischen finde ich dieses Vorurteil, dass Menschen, die sich pflanzlich ernähren, schwach und kränklich sind, völlig überholt und nicht mehr aktuell. Es gibt genügend Sportler und andere Menschen auf öffentlicher Ebene, die das Gegenteil beweisen. Aber das dauert vermutlich noch, bis dieses Vorurteil ausgeräumt ist. Aber was soll’s, ich kann warten … und in der Zwischenzeit lauf ich einfach weiter ;) LG Judith

  2. Anne sagt:

    Liebe Judith,
    ein toller Bericht für einen tollen Lauf! Danke.
    Inzwischen habe auch ich Matts Fitnessplan für einen Halbmarathon Ende September begonnen und bin schon sehr gespannt, wie das so wird. Dass es gut wird, weiß ich jetzt schon ;-)
    Sonnige Grüße von
    Anne

    • Hallo liebe Anne!
      Oh, da bin ich aber gespannt, wie es dir damit geht. Freu mich sehr über weitere Berichte von dir. Oder auch wenn du Fragen hast, kannst du mich gerne kontaktieren – ich bin mittlerweile ziemlich gut eingespielt mit dem Plan! Komme gerade zurück vom Intervall A – Training im strömenden Regen ;) Mein Halbmarathon ist auch Ende September! Wird mein allererster. Dann wünsch ich dir viel Freude beim Trainieren. Alles Liebe! Judith

  3. lacki sagt:

    So liebe Freunde der Veggie -Szene

    Etwas Aufmunterung in Sachen Sport und vegetarische Ernährung.
    Es gibt einen Lauf, und zwar 3100 Meilen Lauf, der zur Zeit in New York stattfindet, es ist der Längste Straßenlauf der Welt und die Teilnehmer dort sind rein vegetarisch unterwegs.
    So wie bei fast allen Veranstaltungen des Sri Chinmoy Marathon Teams, welches die meisten
    Ultraraces veranstaltet weltweit. Self trancendenz.

    http://3100.srichinmoyraces.org/main-3100. Hier der Link zum reinschauen und viel Spaß, das sind ungefähr knappe 5000 km, genau, das ist doch was oder?

    • Hallo Lacki! Da träume ich weit entfernt von einem Ultralauf mit 100 Kilometern und dann schickst du mir hier quasi eine Einladung zu 5000 Kilometer … haha! Ist ja der Wahnsinn. :) Ich schau mir die Seit gerne mal an, auch wenn ich kaum glaube, dass ich es jemals wagen würde, daran teilzunehmen. Aber, sag niemals nie! Vielleicht ist das irgendwann genau die Herausforderung, die ich suche. Danke für den Tipp! LG Judith

  4. Natascha sagt:

    Hallo Judith,

    so einen Spruch durfte ich mir auch schon mal anhören- aber direkt ins Gesicht. War beim Arzt und wollte mich wegen eines Bluttests (V B12 usw.) informieren. Er hatte mich gefragt, ob ich Sport mache. Krafttraining und Laufen- na klar :) Hab ihm berichtet, dass ich an dem Abend noch an einem Wettkampf von 10 KM teilnehme. Er fragte mich ernsthaft und leicht sarkastisch. Und das schaffen Sie?? …. leider ist mir später erst eingefallen ihn zu fragen, ob er denn 10 km und mehr laufen könne… Er sah nämlich aus gesundheitlicher Sicht nicht danach aus….

    • Hallo Natascha! Oje, das ist natürlich interessant. Schade, dass ein Mediziner daran zweifelt. Wieso sollte es denn nicht möglich sein? Aber wir – und viele andere – sind ja der lebende Beweis dafür, das es funktioniert. Und das sogar sehr gut! Ich denke, irgendwann wird es ein Umdenken geben und solche seltsamen Gespräche der Vergangenheit angehören. In der Zwischenzeit laufen wir einfach fröhlich und munter weiter, würde ich vorschlagen ;) Liebe Grüße und danke für deine Nachricht! Judith

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

No Meat Athlete von Matt Frazier ist am 20. Juni 2014 im compassion media Verlag erschienen.
Wenn man bedenkt, dass es in No Meat Athlete um pflanzliche Ernährung und das Laufen von Distanzen geht, die die meisten Menschen nicht einmal gern fahren, stellt Matt Frazier seine Methoden und Informationen auf eine ausgesprochen zugängliche Weise dar, die ihre Leser mitreißt und ihnen das Gefühl vermittelt, es auch schaffen zu können.
— Brendan Brazier, Ironman und Autor von "Vegan in Topform"