Interview mit dem Spendenläufer und No Meat Athlete Marcel Buchholz – Teil I

Vor nicht allzu langer Zeit sind wir auf Marcel Buchholz und seine Seite www.niederrheinultra.de aufmerksam geworden. Marcel ist ein wahrer No Meat Athlete, er ernährt sich seit Jahren vegan und läuft Ultramarathonstrecken, die die meisten von uns nicht einmal mit dem Fahrrad zurücklegen könnten. Mit seinem Einsatz sammelt er als Spendenläufer Geld für hilfsbedürftige Kinder. Wir fanden Marcels Beispiel sehr inspirierend und konnten ihn für ein spannendes Interview auf unserem Blog gewinnen.

Lest im ersten Teil, wie er zum Laufen kam, welche Rolle der Veganismus in seinem Leben spielt und was es bedeutet, ein Spendenläufer zu sein.

Hallo Marcel, deine Leistungen, wie das Bezwingen des Hexenstiegs (216km) in 42 Stunden, wirken auf Hobby-Läufer*innen ziemlich fantastisch! Trotzdem hast bestimmt auch du klein angefangen, wann und wie waren deine ersten Lauferfahrungen?

IMarcel Bucholz beim Triple-Marathonch bin seit meiner Jugend Skateboard gefahren, ca.13 jahre lang. Mit dem eigentlichen Joggen habe ich vor rund 6-7 Jahren angefangen, auf Anraten meines Arztes. Aufgrund meiner damaligen Arbeitsstelle, die viel mit schwerem Heben zu tun hatte, bekam ich verstärkt Rückenprobleme. Um die Muskulatur aufzubauen sollte Joggen für mich nützlich sein, meinte der Doc. Also fing ich an, wie alle anderen: Eine Runde durch den Stadtpark und zurück, 2.3km. Irgendwann waren es zwei Runden und so weiter… 2008 habe ich mich zum Spaß bei einem 10km Stadtlauf bei uns in Rheinberg angemeldet und damit war dann endgültig das Lauffeuer entfacht. Im Schnelldurchlauf absolvierte ich diverse 10km-Läufe bis Halbmarathons und nach einem halben Jahr meinen ersten Marathon. Ich lief bei verschiedensten Veranstaltungen Marathondistanz (42.2Km) bis ich irgendwann hörte, dass es Menschen gibt, die weiter als 42km laufen. Wahnsinn, dachte ich. Also lief ich meinen ersten Ultra, den Remscheider Röntgenlauf über 63.3km mit einigen Höhenmetern. Da realisierte ich, was mir am laufen Spaß macht, nicht das Jagen nach Zeiten, nach Sekunden, nein das ist nur Stress, Stress den ich auf der Arbeit genug habe. Ich fand gefallen daran, immer weiter zu laufen. Immer längere Strecken, mit Bergen oder ohne, tags oder nachts, alleine oder in der Gruppe. Laufen wegen des Laufens. Ja, und der Hexenstieg. Eine unglaubliche Erfahrung, die mir keiner mehr nehmen kann!

Wie kam es, dass du dich für eine vegane Lebensweise entschieden hast und wie hat es deine läuferischen Leistungen beeinflusst?

Mit dem Veganismus kam ich vor etwa 19Jahren, mit der damaligen Straight Edge Welle, in Kontakt. Zu dieser Zeit gehörte es in unserer Skaterclique zum guten Ton wenigstens Vegetarier zu sein. Damals reichte eine VHS Kassette mit heimlich aufgenommenen, verwackelten Videos aus Schlachthäusern etc. um mich zum Veganismus zu bewegen. Also lebte ich seit meinem 16 Lebensjahr einige Jahre vegan. Wir waren ständig aktiv auf Demos gegen McDonalds, Jagdmessen, verteilten Menschenhaar auf Feldern in der Nacht vor Treibjagden usw. Aber mit dem Auseinandergehen der Clique verschwand auch nach und nach mein Interesse an der Tierrechtsbewegung, und auch meine Tätigkeiten in der Jugendarbeit vernachlässigte ich mehr und mehr, da ich an einem Punkt ankam, den ich heute als schwärzeste Phase meines Lebens betiteln würde. Irgendwie interessierte ich mich nur noch für mich selbst, und merkte gar nicht, dass ich dabei war mich selbst zu zerstören. Egoismus und Oberflächlichkeiten beherrschten nun mein Leben, bis ich meine Frau kennen und lieben lernte. Wir schufen uns eine gemeinsame Zukunft, ich drehte mich um 180Grad, oder “back to the roots”…

Nun lebe ich seit langer Zeit wieder vegan, und es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich habe den Frieden mit mir und mit meiner Umwelt gemacht. Ich freue mich darüber, dass ich auf Grund meiner Ernährungsweise, Mord und Totschlag, in meiner Art zu leben, auf ein Minimum reduzieren kann. Was das Laufen betrifft, bin ich durch die vegane Ernährung stärker geworden. Nicht bezogen auf einen größeren Bizeps, sondern der gesamte Körper. Ich regeneriere schneller, ich habe keine Magenprobleme mehr, kein Völlegefühl, fühle mich leichter und vitaler. Ich bin glücklicher im Kopf, und auch das macht sehr stark!

Einige Zeitungen haben bereits über deine Läufe berichtet, dabei steht oft deine Spendentätigkeit im Fokus der Berichterstattungen. Seit wann begreifst du dich als “Spendenläufer” und was können wir uns unter diesem Prinzip vorstellen?

Der SpendenläDSC_0234ufer ist vor etwa 4,5 Jahren geboren. Nämlich, als meine Tochter geboren wurde, hatte ich verstärkt das Bedürfnis einfach mal Danke zu sagen, für eine wundervolle Familie, Eltern, die immer hinter mir standen, und als das Gute, was mir immer wieder widerfahren ist, obwohl ich selbst Zeiten durchlebt habe, in denen ich es sicherlich nicht verdient hätte. Ich habe mir bewußt gemacht, dass es immer jemanden gibt, dem es schlechter geht, als einem selbst. Das wurde mein persönlicher Slogan. Und so suchte ich mir eine lokale Hilfsorganisation, welche ich durch das sammeln von km-Geld unterstützen wollte. Das Kinderhilfswerk Gomel genießt nun seit mehr als vier Jahren meine geldliche Unterstützung, indem ich Firmen und Unternehmen motiviere für meine absolvierten Ultraläufe Geld zu spenden. Darüberhinaus organisiere ich selber Laufveranstaltungen, wie den Empathy Run. Der Rheinberger 6Std Benefizlauf findet in diesem Jahr zum dritten mal statt. Ein fester Betrag der Startgebühren gehen ebenfalls zugunsten verschiedener Hilfsprojekte. Auch sammele ich ausgediente Schuhe und Kleidung, um damit das Shoe Aid Project aus Berlin zu unterstützen. Ein ehrenamtliches Team, welches Waisenhäuser und Armenviertel in Kamerun unterstützt.

Hier findet ihr den zweiten Teil des Interviews.

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  1. […] in RTL Extra zu sehen. Auch wenn der Lauf für ihn nicht allzu glücklich lief – in unserem Interview mit Marcel erfahrt ihr mehr zu seinen Läufen und den Spenden die er damit […]

  2. […] Hier findet ihr den ersten Teil des Interviews. […]

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No Meat Athlete von Matt Frazier ist am 20. Juni 2014 im compassion media Verlag erschienen.
Wenn man bedenkt, dass es in No Meat Athlete um pflanzliche Ernährung und das Laufen von Distanzen geht, die die meisten Menschen nicht einmal gern fahren, stellt Matt Frazier seine Methoden und Informationen auf eine ausgesprochen zugängliche Weise dar, die ihre Leser mitreißt und ihnen das Gefühl vermittelt, es auch schaffen zu können.
— Brendan Brazier, Ironman und Autor von "Vegan in Topform"