Interview mit dem Spendenläufer und No Meat Athlete Marcel Buchholz – Teil II

Wie bereits angekündigt kommt hier der zweite Teil des Interviews mit Marcel Buchholz, dem Spendenläufer und No Meat Athlete vom Niederrhein. Diesmal geht es um die Grenzerfahrung “Ultramarathon” und das dafür nötige Training. Außerdem erhalten wir einen kleinen Ausblick auf Marcels kommende Projekte.  

Ein Lauf über so weite Strecken ist sicherlich eine körperliche Grenzerfahrung, wie können wir uns Kilometer 200 nach über 35 Stunden Laufen am Stück vorstellen? Was geht da in dir vor? Und wie sehen konkret deine Vorbereitungen für so einen Lauf aus?

Marcel beim Hexenstieg Ultralauf

Es ist unglaublich. Im Nachhinein! Während des Laufs, läuft man. Bei diesem Lauf habe ich irgendwie gar nicht soviel gedacht. Ich war fester Überzeugung den Hexenstieg zu finishen. Als es nach 60 km vom Teufelsstieg (die steile Seite) aus den Brocken hoch ging, dachte ich mir zum ersten mal, dass das hier eine ganz harte Nummer wird. Aber diese kräftezehrenden Passagen wurden immer wieder durch wundervolle Naturbilder neutralisiert. Es waren harte Singletrails, breite Wanderwege und kaum Asphalt. Man war vollkommen drin, in diesem Naturabenteuer. Auch als ich nach 170 km extreme Probleme mit meiner Kniekehle bekam, und oftmals nur noch marschieren konnte, wußte ich dennoch, genau hier, und gerade jetzt das Richtige zu tun. Es fühlte sich einfach gut an dort zu sein! Meine gewünschte Zielzeit von unter 40 Std. konnte ich mir mit der Verletzung abschminken, aber genau darum ging es auch gar nicht. Es ging um das Erlebnis mit der Natur und mit sich selbst. Ich habe noch keine vergleichbaren Situationen durchlebt, wie einen Ultralauf, wo man so nah bei sich ist, so tief in sich selbst schaut. Man durchläuft in so einer langen Zeit so viele Höhen und Tiefen, was ich genau bei Kilometer 200 gedacht habe, weiß ich nicht mehr. Auf Grund des Schlafmangels habe ich mir irgendwann ziemlich phantastische Sachen eingebildet. So entschied ich mich dann doch nochmal ein paar Minuten in die Wiese zu legen und Kraft zu tanken. Man sollte einfach entspannt bleiben, und sich keinen Kopf machen, wenn man sich 5 km verlaufen hat, weil man nachts vor Wildschweinen weggerannt ist… Ich habe mich noch 500 m vor dem Ziel verlaufen, weil ich auf der falschen Flußseite war, das war sehr ärgerlich.

Spezielle Vorbereitungen, nun ja. Im Nachhinein betrachtet, konnte ich, glaube ich noch nie so konsequent trainieren, wie ich es mir vorgenommen habe. Ich bin halt Familienvater, und deswegen immer wieder kompromißbereit mit meinen Trainingszeiten. Ich laufe im Schnitt 100-120 km pro Woche. In der heißen Vorbereitungsphase können es schon einmal 170 km werden. Mehr ist zeitlich definitiv nicht möglich. Ich laufe jeden Tag zur Arbeit und zurück. Und meine langen Sonntagsläufe starten immer so um ca. 3:00-4:00 Uhr morgens. So verschläft meine Familie den größten Teil meines Trainings, so kann ich ruhigen Gewissens laufen und niemand wird vernachlässigt!

No Meat Athlete von Matt Frazier richtet sich ja vor allem an Läufanfänger*innen, was würdest Menschen raten, die gerade mit dem Laufen beginnen wollen?”

Ganz, ganz einfach – Spaß haben!!! Seinen Weg zu finden, ob schnell, langsam, trailig oder Straße. Oder von allem etwas. Laufen hilft gegen alles! Laufen ist unglaublich vielfältig, wenn man es nur zulässt. Auf keinen Fall zu hohe Ziele stecken, nicht mit den “Erfahrenen” messen. Schnell können so durch falsches oder zu hartes Training, auf das der Körper noch gar nicht getrimmt ist, Ermüdungsbrüche oder andere Verletzungen auftreten. Das Laufen genießen, und auf das gerade Vollbrachte stolz sein.

Welche Pläne hast du für die nähere Zukunft und welches langfristige Ziel verfolgst du?

Für 2015 ist mein Wunsch, mich bei einem 24 Std. Lauf an die 200 km Marke heranzuarbeiten.  Es gibt ein paar Ultraläufe im Ausland, welche mich reizen und wahrscheinlich in naher Zukunft zu sich holen werden. Da wäre der TransGranCanaria mit 125 km und über 7000 Höhenmeter. Ein wunderschöner, aber auch technisch sehr anspruchsvoller Trail einmal quer über die Insel und über die gesamte Gebirgsregion. Dann wäre da noch der Spartathlon, die inoffizielle WM der Ultraläufer. Ein Ultra über 240 km von Athen nach Sparta. Das Ziel  ist erreicht, wenn man die Füße der König Leonidas Statue berührt hat…spannend. In jedem Fall muss ich aber erstmal an mir arbeiten, insbesondere an meiner Hitzeunverträglichkeit.

Neben meinen Läuferischen Herausforderungen habe ich mir auch einige Veranstaltungen vorgenommen zu realisieren. Der Empathy Run 6 Std. Benefizlauf geht dieses Jahr in die dritte Runde. Darüber hinaus veranstalte ich im Mai 2015 einen 12/24 und 48 Std. Lauf. Der “Niederrhein Ultra Run” 200 km und 100 km Nonstop Lauf wird in 2015 ebenfalls zum zweiten mal durchgeführt. Im Dezember diesen Jahres wird das “Waldhopper Footrace 70 km” zum ersten mal stattfinden.  Alle Infos, Ausschreibungen und Anmeldungen auf meiner Homepage www.niederrheinultra.de
Für den 48 Std. Lauf bastele ich noch an einem Rahmenprogramm. Eine Idee wäre, da mehr als genug Freifläche vorhanden ist, eine Vegan-Messe parallel laufen zu lassen. Verschiedene Stände mit Imbiss und Infos, Kleidung etc. Ich möchte dem Aspekt Veganismus, bei meinen Veranstaltungen, keinen Sonderstatus geben. Es soll ganz einfach ganz normal sein, dass es bei den Vorbereitungsprogrammen und Caterings rein Pflanzliches gibt. Für die entferntere Zukunft arbeite ich daran, neben meiner eigenen Laufkarriere, auch meine Laufveranstaltungen immer ein bisschen mehr in meine berufliche Entwicklung fließen zu lassen.

Lieber Marcel, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei deinen Läufen und anderen Vorhaben.

Hier findet ihr den ersten Teil des Interviews.

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No Meat Athlete von Matt Frazier ist am 20. Juni 2014 im compassion media Verlag erschienen.
Wenn man bedenkt, dass es in No Meat Athlete um pflanzliche Ernährung und das Laufen von Distanzen geht, die die meisten Menschen nicht einmal gern fahren, stellt Matt Frazier seine Methoden und Informationen auf eine ausgesprochen zugängliche Weise dar, die ihre Leser mitreißt und ihnen das Gefühl vermittelt, es auch schaffen zu können.
— Brendan Brazier, Ironman und Autor von "Vegan in Topform"