Matts Trainingspläne im Test – Interview mit Judith von veganmarathon

In No Meat Athlete – mit veganer Ernährung zur persönlichen Bestform bietet euch Matt Frazier eigens konzipierte Trainingspläne vom ersten 5km Lauf bis zum schnellen Halbmarathon. Die Bloggerin Judith Riemer wird die erste Person sein, die für uns seinen Trainingsplan für die 21km-Distanz testet. Bevor es soweit ist, stellen wir sie euch heute vor.

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Judith heute

Hallo Judith! Im ersten Eintrag in deinem Blog veganmarathon vor zwei Jahren bezeichnest du dich als “völlig untrainierte Couchpotatoe”, deren Füße sich bei den ersten Laufversuchen kaum vom Boden lösen. Heute bist du eine Sportlerin, die sich von keinem Wetter abhalten lässt, ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Laufen, nachzugehen. Erzähl uns ein bisschen von deiner Metamorphose.

 Zuerst einmal möchte ich mich ganz herzlich bedanken, dass ihr mich als Testläuferin gewählt habt. Das ist mir eine ganz besondere Ehre! Und so fing das bei mir an:

Der 1. April 2012. Ein Sonntag. Ich wachte morgens auf und hatte plötzlich den Gedanken: „Heute geht’s los! Ab sofort wird alles anders.“ Ich hatte schon seit einigen Jahren Übergewicht und war von Haus aus total unsportlich. Und plötzlich war da dieses Bild: ich, in Laufshorts und Top, laufe über die Ziellinie und lache. Bei dem Gedanken daran musste ich grinsen, denn das war eine absolut fantastische Vorstellung und gleichzeitig total lächerlich. Aber irgendwas hat diese Bild in mir bewegt. Ich weckte meinen Mann und sagte voller Überzeugung: „Ich laufe einen Marathon!“ Seine Reaktion war ein müdes: „Ok, wann fangen wir an zu trainieren?“

Am selben Tag meldete ich für den Viertelmarathon des Sparkasse-Marathons im Oktober an. Am selben Tag begann ich zu trainieren. Am selben Tag begann ich, mein Lauftagebuch, meinen Blog zu schreiben. Es gab während der kommenden zwei Jahre viele Höhen und Tiefen. Zweimal musste ich meine Wettkämpfe komplett absagen aufgrund von Verletzungen, insgesamt durfte ich sechs Monate überhaupt nicht trainieren aufgrund einer Sehnenentzündung, weil ich mir selber viel zu viel zugemutet hatte. Alles, was mich bewegte, alles, was mich bremste landete ungefiltert in meinem Blog. Hier hab ich gejammert, geheult, gelacht und war glückselig nachdem ich beim zweiten Anlauf endlich den Viertelmarathon laufen konnte, wenn auch mit angeknackster Zehe. Das Laufen wurde zu einem sehr wichtigen Teil meines Lebens.

Als du mit dem Laufen begonnen hast, hast du auch deine Ernährung umgestellt. Warum?

An dem Tag, als ich beschloss, dass ich einen Marathon laufen würde, war mir klar, musste sich auch meine Ernährung ändern. Denn dass Ernährung & Bewegung ein unzertrennliches Paar sind, wusste ich von Anfang an. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits seit einem halben Jahr Vegetarierin mit dem starken Wunsch, vegan zu werden. Ich hatte das Buch „Peacefood“ von Rüdiger Dahlke gelesen und spürte: „Das ist es. Das ist meine Ernährung. Alles andere ist unlogisch.“ Ich beschloss, Nägel mit Köpfen zu machen und habe mich vom 1. April 2012 weg, ausschließlich vegan ernährt. Nicht unbedingt gesund zu Beginn. Mit der Zeit beschäftigte ich mich immer mehr mit dem Thema vegane Ernährung in Kombination mit Leistungssport. Denn inzwischen war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr lief, um zu essen. Ich aß, um besser und schneller zu laufen. Die Bücher vom kanadischen Triathleten Brendan Brazier waren für mich eine Offenbarung. Ich habe seine Informationen und Rezepte quasi verschlungen. Bis heute habe ich rund 31 Kilo abgenommen, anfangs mit einem Programm, das meine Kalorien zählte – ich brauche es mittlerweile nicht mehr. Dank vollwertiger, veganer Ernährung und einem guten Bauchgefühl, das endlich wieder da ist, halte ich mein Gewicht problemlos.

Du bezeichnest dich selbst als “Turtlerunner”. Was steht hinter diesem Begriff?

In den ersten paar Wochen und Monaten meines Lauftrainings vergleiche ich mich in meinen Blogeinträgen immer wieder mit einer Schildkröte, was mein Lauftempo angeht. Ich lief mit einer Geschwindigkeit von ca. 6 km/h. Andere walken mit diesem Tempo. Ich wollte aber nicht walken. Ich wollte laufen. Es ging eben nicht schneller. Irgendwann entstand im Rahmen einer lustigen Unterhaltung auf meiner Facebook-Seite der Begriff „Turtlerunner“. Inzwischen sind wir ganz schön viele, die sich dazu bekennen, nicht so schnell zu laufen. Entweder weil wir es (noch) nicht können oder weil wir es vielleicht auch gar nicht möchten. Wir sind die, hinter denen der Besenwagen herfährt. Diejenigen, die nach Zieleinlauf mit Mühe und Not noch ein Stückchen Apfel zu essen bekommen, weil alles schon abgebaut ist. Bei meinem ersten Wettlauf über 5 Kilometer wurde ich sogar von Walkerinnen überholt. Man braucht schon starke Nerven und eine Portion Mut, um ein Turtlerunner zu sein und dazu zu stehen. Deswegen freue ich mich, dass ich so viele Gleichgesinnte getroffen habe – gegenseitig freuen wir uns über unsere Erfolge und nach und nach werden wir auch schneller. Nicht so flott wie andere im gleichen Zeitraum, aber Schritt für Schritt.

No Meat Athlete richtet sich sowohl an unsportliche Omnivore wie auch an vegane Sportler*innen, die ihre Leistung verbessern möchten. Zu der letzten Gruppe zählst du heute. Du bist bereits einmal die Halbmarathondistanz gelaufen, aber hast noch nicht an einem Rennen teilgenommen. Hier kommen Matts Trainingspläne ins Spiel. Was können wir erwarten?

 Diesen Herbst, im September, ist mein erster offizieller Halbmarathon geplant. Matts Trainingsplan kommt also gerade zum richtigen Zeitpunkt. Es wird so sein, dass ich Matts Plan gemeinsam mit meinem Trainer Kristof Wöginger vom Team vegan.at (für das ich laufe) besprechen werde. Da ich nach wie vor noch verhältnismäßig langsam bin, werden wir schauen, ob wir ihn direkt so übernehmen können oder gegebenenfalls leicht adaptieren. Im Juli steht außerdem eine weitere Leistungsdiagnostik an, da werden sich hoffentlich erste Ergebnisse zeigen. Ich werde natürlich regelmäßig von meinen Erlebnissen und Fortschritten berichten und ihr erfahrt die ungeschminkte Wahrheit darüber, wie ich mit dem Plan zurecht komme. Diese Berichte könnt ihr dann auf meinem Blog und der Facebook-Seite verfolgen und natürlich auch hier auf dem Blog von NoMeatAthlete.de.

Du hast dein Blog veganmarathon genannt. Ist nach den geschafften 21 km ein Marathon dein Ziel?

Ganz genau. Das ist das Bild, das mich seit zwei Jahren antreibt. Anfangs dachte ich, ich könnte im ersten Jahr schon einen Halbmarathon laufen und dann 2013 schon den Marathon. Mittlerweile bin ich geduldiger. So eine Reise braucht Zeit. 2012 lief ich 5 Kilometer im Wettkampf, 2013 bereits mehrere Läufe mit 10 – 12,4 km Länge. 2014 steht der Halbmarathon auf dem Programm. Und was 2015 kommt, wird sich zeigen. Vielleicht wirklich der Marathon, vielleicht brauche ich auch eine längere Vorbereitungszeit. Ich höre mittlerweile auf meinen Körper und ich denke, er wird mir zeigen, wann wir soweit sind. Im Hinterkopf ist der Marathon in 2015 jedenfalls gespeichert.

Abschließend wüssten wir gerne noch mehr über das bald anstehende Lauffest für alle Daheimbleiber, welches du im Zusammenhang mit  dem Lauffest gegen Leiden initiiert hast, das am 18.5. in München stattfinden wird.

Ursprünglich habe ich geplant, in München beim Lauffest an den Start zu gehen. Dann kamen mir leider Prüfungstermine in der Schule dazwischen und ich musste meinen Startplatz abgeben. Da die Teilnehmerzahl außerdem begrenzt ist in München, gibt es nun einige Läufer, die leider nicht mitlaufen können. Da kam mir die Idee, dass wir, die nicht in München am Start sind, am 18.5.2014 doch trotzdem laufen könnten. Für Laufen gegen Leiden. Für den guten Zweck. Jeder bei sich zuhause. Solange er möchte. Soviele Kilometer wie Spaß machen. Um die Aktion von Mark Hofmann zu unterstützen, sammeln wir Kilometer und spenden pro Kilometer etwas an Marks aktuelle Spendenaktion unter dem Stichwort „Lauffest für Daheimbleiber“. Natürlich freiwillig. Ich freu mich schon darauf, wenn auch nicht vor Ort, doch irgendwie dabei zu sein. Und ich denke, das geht vielen anderen auch so.

Vielen Dank für das Interview, Judith! Wir freuen uns sehr, bald mehr von dir zu lesen.

 Bildquelle: Susi Donner

Veröffentlicht unter Allgemein

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No Meat Athlete von Matt Frazier ist am 20. Juni 2014 im compassion media Verlag erschienen.
Wenn man bedenkt, dass es in No Meat Athlete um pflanzliche Ernährung und das Laufen von Distanzen geht, die die meisten Menschen nicht einmal gern fahren, stellt Matt Frazier seine Methoden und Informationen auf eine ausgesprochen zugängliche Weise dar, die ihre Leser mitreißt und ihnen das Gefühl vermittelt, es auch schaffen zu können.
— Brendan Brazier, Ironman und Autor von "Vegan in Topform"